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Klimahaus Bremerhaven 8° Ost

Türen zwischen Antarktis und Regenwald
In wenigen Stunden einmal um die Welt, entlang des achten Längengrades durch alle Klimazonen – diese Rundreise bie­tet das neue Klimahaus Bremerhaven 8° Ost. Wie fühlen sich die unterschiedlichen Klimata auf unserer Erde an – von 38 Grad Celsius bei 85 Prozent Luftfeuchte bis zu trockenen sechs Grad unter Null? Diese Extreme fordern auch die Bauelemente, die sich in jeder Zone bewähren müssen – besonders die Türen, die oft von jeder Seite einem anderen Klima ausgesetzt sind. Ein Beispiel sind die Feuerschutz-Türen (Teckentrup, Verl): Sie führen von der Sandwüste genauso wie aus Eis-Wüste in “klimaneutrale“ Flucht­treppenhäuser.

Die Idee hinter dem Großprojekt ist eine simulierte Weltreise entlang des Längengrades 8 Grad 34 Minuten Ost. Hier liegen Bremerhaven und alle weiteren Stationen: Die Schweiz, Sar­dinien, die Sahelzone, der afrikanische Regenwald, die Antarktis, Samoa, Alaska und die Hallig Langeneß. Jede Destination hat einen eigenen Ausstellungs-Komplex. Darin wird das spezifische Klima erlebbar, sind Flora und Fauna zu sehen. Kurze Filme und Schautafeln erläutern die (Wetter-)Phänomene der jeweiligen Region. Weitere Ausstellungsflächen erklären, wie die Elemente Feuer, Wasser und Erde, Luft das Wetter und das Klima bestim­men, welche Perspektiven die Klimaentwicklung auf der Erde hat und welche Möglichkeiten jeder hat, das Klima (und die Umwelt) zu schützen. In einem Wetterstudio erfahren die Besucher, wie Wetterprognosen entstehen und Wetterberichte für das Fern­sehen produziert werden. Etwa ebenso viel Raum wie die Ausstellung nehmen die öffent­lich nicht zugänglichen Gebäudeteile ein. Damit die unterschied­lichen Klima-Extreme gemeinsam unter einem Dach existieren können, ist beispielsweise eine aufwändige TGA-Anlage instal­liert und um das Gebäude im Brandfall schnell evakuieren zu können, ziehen sich insgesamt sechs Fluchttreppenhäuser durch den Komplex.

Türen verbinden die Welt
Von den Besuchern werden nur wenige auf die Türen achten. Dennoch spielen sie eine wichtige Rolle. „Sie müssen bei jedem Klima der Welt als Fluchttür dauerhaft funktionsfähig bleiben“, stellt Horst Herborg fest, technischer Berater bei Teckentrup. Trotz der extrem unterschiedlichen Belastung kommen nur Türen aus dem Standard-Programm des Herstellers zum Einsatz. „Auch unter solch schwierigen Einsatzbedingungen sind keine aufwändigen Zusatz-Lösungen erforderlich“, meint Herborg.

Oft sind es die technischen Details, die den Unterschied ausma­chen – zum Beispiel bei den rauchdichten Feuerschutztüren zwischen Brandabschnitten in stark frequentierten Durchgängen: Damit die Bodendichtung beim Öffnen und Schließen nicht schleift, senkt sie sich erst nach unten, wenn die Tür geschlossen ist. „So entsteht auch bei häufigen Türbewegungen kaum Verschleiß“, erläutert Bauleiter Dipl.-Ing. Horst Nixdorf vom Ingenieur-Büro agn. Diese Lösung verbindet so optimal Brand- und Rauchschutz mit Langlebigkeit auch bei hoher Nutzungs­intensität.

Sicherheit war auch auf dem rollstuhl-geeigneten Rundweg wichtig – trotz der anspruchsvollen, wirklichkeitsnahen Kulisse ist die Ausstellung behindertengerecht gebaut. Sensoren überwa­chen den Schwenkbereich der elektrisch angetriebenen Türen. Sie stoppen den Flügel, sobald der Sensor ein Hindernis erkennt. Dort, wo die Durchgänge zwischen Brandabschnitten offen stehen, halten elektromechanische Feststellanlagen die Türen geöffnet. Rauchmelder sorgen dafür, dass die Türen im Brandfall sicher schließen.

 

Ein- und zweiflügelige Varianten, viele Formate, einige Türen mit elektrischem Antrieb und Sensor-Technik, andere mit spezieller Zugangstechnik (Chipkarte), an mehreren Stellen Anti-Panik-Funktion – im Klimahaus war nahezu jede Tür einzeln zu planen, kaum ein Element ist mit einem anderen identisch. „Eine Flucht­tür ist eben keine Zugangsklappe zum Kabelschacht“, resümiert Tür-Experte Herborg. Weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Farbe, die bauseits aufgetragen wurde, in den meisten Fällen ein zurückhaltendes Grau oder ein Schwarz, durch das die Türen optisch im Hintergrund bleiben. Die „Himmelstür“ – der Zugang zum „Abstecher“ ins All auf der Rundreise“ – ist das gestalteri­sche Highlight: Diese Tür ist aufwändig bemalt und somit Teil der Raum-Inszenierung.

 


Montage leicht – Transport schwer
Der Einbau der Bauelemente verlief problemlos – und mit viel Handarbeit wie die anspruchsvolle Feinjustierung der Automa­tiktüren. Weil zum Zeitpunkt des Türeneinbaus die Kräne schon abgebaut und die Aufzüge nur eingeschränkt nutzbar waren, wurde selbst der Transport zum „Handwerk“.

   (Abdruck honorarfrei, Beleg erbeten)