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Rhein-Neckar-Arena Sinsheim

Ohne Tore wäre ein Fußballstadion kein Fußballstadion: Eine Aluminium-Konstruktion, 7,32 x 2,44 Meter groß, in un­gezählten Arenen links und rechts des Spielfeldes. Wer jedoch mit offenen Augen durch die Stadien geht, entdeckt noch mehr Tore: An den Eingängen, vor den Lagerräumen – oder über den Tresen der Kioske, wie im jüngsten Bun­desliga-Stadion, dem 2009 eingeweihten Rhein-Neckar-Arena von 1899 Hoffenheim. „Das Spektrum reicht hier vom architektonisch hochwertigen Sectionaltor mit Streckgitter-Füllung für die Stadionhülle bis zum Feuerschutz-Abschluss in den Katakomben“, berichtet Achim Schröter vom Tor- und Türen-Lieferant Teckentrup (Verl).

In weniger als zwei Jahren entstand das neue Fußballstadion direkt an der A6 bei Sinsheim. Hier sitzen die Fans in der ersten Reihe hautnah dran am Spielgeschehen, bis zu 30.150 Zuschauer strömen an den Wochenenden zum Bundesliga-Neu­ling. Ganz unprätentiös heißt es „Rhein-Neckar-Arena“ – in der Region weiß ohnehin jeder, wer hinter dem ambitionierten Projekt steht (SAP-Gründer Dietmar Hopp).
Eine leichte Dachkonstruktion, stützenfrei wie ein Ring über die Tribünen gelegt, schützt vor Regen, ohne die Sicht zu behindern. Rund zwei Drittel der Plätze sind mit modernen Klappsitzen aus­gerüstet und bieten so auch Platz zum Stehen. Auf der West­tribüne (am Nachmittag also mit der Sonne im Rücken) liegen die Business-Lounges; Clubzimmer mit direktem Zugang zur Tribüne. Für die „gewöhnlichen Fans“ bietet die Fankneipe Platz für 400 Menschen. Rund um das Stadion führt eine Galerie, von der es in die Blocks geht. Auf dieser Ebene versorgen insgesamt 18 Kioske die Zuschauer in der Halbzeitpause bzw. vor und nach dem Spiel. In den Katakomben stehen den Profis nicht nur ihre Kabine, son­dern auch Räume für die Spielvorbereitung und Regeneration zur Verfügung – Entspannungsbad, Massage, Fitness und das Trainer-Zimmer. Hier unten schlägt auch das „Herz“, ist Platz, um die Lebensadern des Stadions zu versorgen: Lager für das Cate­ring, Abstellflächen für die Greenkeeper (also die Rasenpfleger), Technikräume. Ideale Bedingungen, um Fußballfeste zu feiern.

Toooor....!

Weit mehr Tore als auf dem Spielfeld sind in der Rhein-Neckar-Arena zu „21 Rolltore und 10 Sectionaltore bis zu einer Größe von 6000 x 4185 Millimeter und insgesamt 242 Türen standen auf unserer Stückliste“, berichtet Teckentrup-Spezialist Schröter.

Die beiden attraktivsten Tore schließen die Zufahrten für die Mannschaftsbusse. Mit Streckgitter-Füllung fügen sie sich har­monisch in die spektakuläre Metallfassade des Stadions ein. Die „luftige“ Füllung hat sogar einen praktischen Hintergrund: Bodennahe Frischluftzufuhr – um die Rasenqualität zu erhalten. Da fällt die ausgereifte Technik kaum noch auf – wie der Niedrig­sturz mit hinten liegender Federwelle. Er gewährleistet eine lichte Höhe von 4,00 Meter für die Durchfahrt. Die weitere Technik: Antrieb mit Impulssteuerung – und auf der Seite der Heimmann­schaft mit Sonderlösung für die Kabel-Durchführung zum Ü-Wa­gen.

Blickdicht ist das Tor der Greenkeeper – aber mit seiner schwar­zen Oberfläche ebenfalls optisch attraktiv, denn es ist von eini­gen Zuschauerrängen zu sehen. Was dem Tor (Teckentrup Sectionaltor SL) allerdings nicht anzusehen ist, ist die Feinarbeit der Produktion. „Aufgrund der engen Platzverhältnisse und eini­ger Installationsrohre in der Nähe des Sturzes kam es hier auf Millimeter genaue Planung an. Alle Parameter waren genau auf­zunehmen und an die Fertigung zu übermitteln“, erläutert Dipl.-Ing. Ingo Wellenbrock, Projektleiter vom Planungsbüro AGN.

Rolltore mit ganz ungewöhnlichen Maßen und Anforderungen kommen in den Kiosken zum Einsatz – sehr breit, aber nicht sehr hoch schließen sie die Verkaufsflächen ab. Wegen der Gastro­nomie (genauer: wegen der Grills) war ein erhöhtes Rauchrisiko zu beachten. „Um dies zu gewährleisten, entwickelten wir eine spezielle Bürstendichtung an den Führungsschienen“, erläutert Achim Schröter, bei Teckentrup Verkaufsleiter für Industrietore. Oben und unten sorgen herkömmliche Dichtungen für Rundum-Schutz. Damit die Tore im Notfall auch garantiert sicher schließen, läuft die Steuerung über einen Akku-Puffer, der auch bei Stromausfall funktioniert.

...und Tür!

Rund 250 Türen wurden in der Rhein-Neckar-Arena verbaut. Sie kamen bereits grundiert auf die Baustelle und wurden vor Ort nur noch gestrichen – die Außentüren mit dem mattschwarzen Farbton, der auch für die Tore eingesetzt wurde. Bei den Innen­türen entschieden sich die Planer für ein elegantes grau. Dieses Grau passt sowohl zu den intensiv frequentierten Hauptzugän­gen

Beispiel Fan-Kneipe: Sie bietet Platz für 400 Menschen. Ent­sprechend breit sind die Durchgänge zu planen. „Hier sind die Türen mit Anti-Panik-Funktion in beiden Flügeln ausgerüstet: Die Türen müssen jederzeit nach außen öffnen können und sauber Schließen. Dies wird durch Gleitschienen-Türschließer mit integ­rierter Schließfolgeregelung sicher gestellt“, berichtet Ingo Wellenbrock. Als besonders montagefreundlich erwies sich der Einbau mit Blockzargen.

Tiefer im Stadion, im Techniktrakt, steht die Funktionalität der Türen im Vordergrund, optische Aspekte sind Nebensache. Hier sind Feuerschutztüren, zum Teil bis T90, vorgeschrieben.

Die Türen, die aus den Lagern ins Freie führen (wieder in matt­schwarz gehalten), erhielten zusätzliche Technik: Sie lassen sich über einen Taster im Vorbeigehen öffnen. Der elektrische Dreh­flügelantrieb öffnet dann automatisch.

Die Vereinsfarbe von 1899 Hoffenheim taucht nur auf dem Weg von den Kabinen auf das Spielfeld auf: Blaue Fußböden in den Fluren. Die Türen bleiben aber auch hier der zurückhaltenden architektonischen Linie treu und zeigen sich im Edelgrau des Innenraums.